Interview mit Dennis Nohl: „Spielerinnen, die lernwillig, kritikfähig und ehrgeizig sind, werden es weit bringen.“

Der neue U25-Nationaltrainer der Damen, Dennis Nohl, spricht im exklusiven und ersten Interview nach seiner Nominierung über die Kommunikation zwischen ihm und dem Damen-Bundestrainer, die kommenden Wochen bis zur WM in Thailand sowie Merkmale, die erfolgreiche Rollstuhlbasketballerinnen mitbringen (müssen).

Dennis, herzlich Glückwunsch zur Berufung zum U25-Nationaltrainer. Wie wird sich die Handschrift lesen, mit der du die jungen Damen trainieren und führen wirst? 

Als neuer U25-Nationaltrainer ist es meine Aufgabe, zu fördern und natürlich zu fordern. Viele der Spielerinnen kennen mich schon länger und haben auch Erfahrungen mit mir als Trainer gemacht. Ich bin ein Coach, mit dem man viel Spaß haben kann, wenn man das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verliert. Wir als Trainer sind mitverantwortlich für die sportliche und auch persönlichen Entwicklung. Da gehört harte Arbeit, Disziplin aber auch Spaß dazu. Sportlich ist es unser Ziel, aus einer variablen Defense heraus, einen schnellen Basketball zu entwickeln.

Und was ist deine Philosphie?

Eine Philosophie herauszugeben ist schwierig. Wenn ich jetzt einen Punkt herausheben müsste, dann steht gerade in der Juniorinnen-Nationalmannschaft das Ausschöpfen des Entwicklungspotenzials ganz oben auf  meiner Liste.

Wie wird sich eigentlich die Kommunikation zwischen dir und Damen-Nationaltrainer Martin Otto gestalten?

Martin und ich stehen in ständigem Kontakt, bereits seit Beginn meines Engagements für die A-Nationalmannschaft. Gerade im Vorfeld der Selection-Camps werden wir uns über Spielerinnen austauschen, und ich werde ihm Ergebnisse der Nachwuchsathletinnen-Sichtung mitteilen. Zusätzlich ist es nicht nur eine stetige Kommunikation, sondern auch eine enge Kooperation, wie zum Beispiel das gemeinsame Camp an Ostern. Einerseits profitieren davon besonders die jüngeren Spielerinnen, andererseits stehen erfreulicherweise auch ein paar der U25-Spielerinnen auf Martins Liste. Einige werden mit der A-Nationalmannschaft zum Lehrgang nach Lanzarote fliegen und sich dort weiterentwickeln. Und manche kommen eventuell sogar für die EM in Rotterdam in Frage.

Und zwischen den Spielerinnen und dir?

Ich möchte mit allen Spielerinnen des erweiterten Kaders kommunizieren. Ich sehe es als meine Pflicht an, die Spielerinnen sportlich, auch während der regulären Saison, zu begleiten, damit sie im Sommer einen Leistungsstand aufweisen, auf den wir als Nationalmannschaft aufbauen können. Stillstand geht nicht!

Wo steht deiner Meinung nach der deutsche Damen-Rollstuhlbasketball im internationalen Vergleich? 

Gerade im Juniorinnen-Bereich machen uns Nationen wie GB oder die USA einiges vor. Fast der komplette U25-US-Kader besteht aus dem Team, dass bei der WM 2018 in Hamburg angetreten ist. Die professionellen Bedingungen an den Unis und die häufigen Trainingsmöglichkeiten, die auf das Studium abgestimmt sind, sind hier die Basis des Erfolges.

Was noch?

Es wird immer offensichtlicher, dass der Damen-Rollstuhlbasketball in anderen Nationen an Bedeutung gewinnt und die Bedingungen immer besser und professioneller werden. Deswegen müssen wir noch härter arbeiten als zuvor, weil die Konkurrenz nicht schläft.

In letzter Zeit wird immer nach Großbritannien geschaut, wenn es um unseren Sport geht. Was gefällt dir an deren System? 

Die Möglichkeit regelmäßig zusammen zu trainieren ist ein ganz klarer Vorteil. Stützpunkte haben gewissen Vorteile. GB besitzt ein sehr professionelles Sportfördersystem, von dem die jungen Spielerinnen schon früh sowohl sportlich als auch finanziell profitieren. Die hauptamtlichen Coaches haben viel schnelleren Zugriff auf die Spielerinnen. Alle können sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren.

Anderes Thema: Wie sieht der Vorbereitungsfahrplan für die U25 WM in Thailand aus?

Das Selection-Camp in Osnabrück steht vor der Tür. Vom 22. bis zum 24.März werden wir im Selection-Camp den Kader für die WM festlegen. Leider ist das nicht sehr viel Zeit. Ostern werden die U25- und die A-Nationalmannschaft ein gemeinsames Camp in Bonn haben. Hier werden wir an Spieltaktiken und Line-up-Varianten arbeiten, weil nur einen Monat später bereits der Abflug nach Thailand ansteht.

Was zeichnet für dich eine erfolgreiche Spielerin der Zukunft aus? 

„Die“ eine erfolgreiche Spielerin gibt es nicht. Sie braucht auf jeden Fall noch ein Team um sich herum. Wenn alle im Team gemeinsam arbeiten, in der Lage sind, sich jederzeit zu motivieren – auch gegenseitig-  ist der erste Schritt getan.

Und?

Spielerinnen, die lernwillig, kritikfähig und ehrgeizig sind, werden es weit bringen.

Okay. Du bist neben deiner neuen Rolle als „Bondscoach“ auch in Osnabrück als Spieler und Trainer gefordert. Siehst du Konfliktpotenzial in deiner Doppel- bzw. Dreifachrolle? 

Osnabrück ist meine Heimat, mein Herz. Und dies seit über 10 Jahren. Als Trainer kann ich hier viele Dinge ausprobieren, die mich in meiner Tätigkeit als Nationaltrainer besser machen. Und den Rollstuhl noch aktiv schwingen zu können, ist in den Nationalmannschafts-Trainingseinheiten sicherlich auch nicht von Nachteil (grinst). Spaß beiseite. Ich schaue schon sehr genau, was ich leisten kann – und was nicht. Da ich einen hohen Anspruch an mich und eine große Verantwortung für meine Mannschaften habe, werde ich nach bestem Wissen und Gewissen handeln und versuchen, das Beste aus allen Beteiligten herauszuholen. Sobald da etwas auf der Strecke bleibt, werde ich meine Konsequenzen ziehen.

Zum Abschluss: Wenn wir uns in 100 Tagen nochmal sprechen, was möchtest du in dieser Zeit gestartet und umgesetzt haben?

Die WM in Thailand wird dann Geschichte sein und wir haben hoffentlich erfolgreich abgeschnitten. Die Nachbereitung der WM ist bereits erledigt und die Spielerinnen haben daraus resultierend ihre ersten individuellen Trainingsvorgaben für den Sommer bis zum Saisonstart erhalten. Außerdem richtet sich spätestens dann der Fokus auf die EM der A-Nationalmannschaft in Rotterdam.

Vielen Dank, Dennis, für deine Zeit.

Interview: Martin Schenk | Foto: Steffie Wunderl

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