Interview mit Lucas Fiedler: „Ich werde auf jede Fall mein Bestes geben und die Zeit und Atmosphäre genießen.“

Herren-Bundestrainer Nicolai Zeltinger lud jüngst zum ersten Selection-Camp des Team Germany im Jahr 2019 ein, das am kommenden Wochenende in Wetzlar stattfinden wird. An der Lahn  wird auch der 25-jährige Lucas Fiedler am Start sein, der sowohl einen deutschen als auch einen österreichischen Pass besitzt und für die RBB Flinkstones Graz auf Korbjagd geht. Wie haben ihm ein paar Fragen gen Villach geschickt, um ihn ein bisschen besser kennen zu lernen. Was der uns 1,0-Punkte-Mann verraten hat, lest ihr im Interview.

Lucas, du wurdest vom deutschen Bundestrainer zum Selection Camp nach Wetzlar eingeladen. Wie fühlst du dich?

Ich habe mich riesig über die Einladung gefreut. Somit bin ich meinem Traum, für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen, einen großen Schritt näher gekommen

Auf was freust du dich ganz besonders? Und warum?

Ich kann nicht genau sagen, auf was ich mich besonders freue, da ich noch nie zu einem Selection-Camp der Herren eingeladen worden bin. Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben und die Zeit und Atmosphäre genießen.

Du hast die deutsche und die österreichische Staatsbürgerschaft.Kannst du uns aufklären, wie es dazu kam bzw. was die Hintergründe sind?

Na ja, ich habe die Staatsbürgerschaften mit meiner Geburt bekommen. Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater Österreicher. Dadurch habe ich beide Staatsbürgerschaften bekommen.

Was ist für dich, in dessen Brust zwei Herzen schlagen, denn so typisch Deutsch und Österreichisch?

Das ist eine schwere Frage, aber ich denke typisch deutsch ist die Genauigkeit und das Engagement mit dem man an die Dinge heran geht. Der Österreicher ist eher ein Genussmensch, vor allem beim Essen.

Wo siehst du persönlich deine Stärken und Schwächen?

Ich finde es immer schwierig von den eigenen Stärken und Schwächen zu reden, aber ich denke, eine große Stärke von mir ist meine Geschwindigkeit, wobei es da sicher einen Unterschied zwischen der österreichischen und der deutschen Liga gibt. Andere Stärken sind, denk ich, der Seal und die Defensive.

Was ist deine Rolle bei den Flinkstones in Graz? Kannst du diese kurz beschreiben?

Bei den Stones ist meine Aufgabe die großen Jungs unters Brett zu bekommen. Also Seal zu fahren und die Defensive

Was macht ein Lucas Fiedler, wenn er nicht auf dem Court steht?

Wenn ich nicht auf dem Court stehe, studiere ich, treffe mich mit Freunden.

Was sind deine persönlichen Pläne in puncto Rollstuhlbasketball? Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich plane, in der nahen Zukunft wieder nach Deutschland zurück zu ziehen, in diesem Zusammenhang würde ich gerne erfolgreich in der 1. RBBL und Champions League spielen.

Lucas, vielen Dank für deine Zeit.

 

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Steckbrief Lucas Fiedler

Wohnort: Villach
Geburtsort: Iserlohn
Alter: 25
Klassifizierung: 1,0
Du hast ja Einschränkungen im Bereich der oberen Extremitäten. Kannst du  diese kurz beschreiben? Ich habe Arthrogryposis multiplex congenita (AMC), ich kann zum Beispiel den linken Arm nich abbeugen, da ich links keinen Bizeps, sondern nur einen Trizeps habe.
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Christoph Schaschl (Flinkstones Graz): „Lucas sitzt  von Geburt an im Rolli. Somit bildet er mit seinen Rolli eine Einheit. Seine Geschwindigkeit und Giftigkeit zeichnen ihn sehr aus. Sein Handicap mit den Händen hat er durch seine Technik trotzdem einen sehr speziellen Wurf entwickelt.“
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Matthias Wastian (Kapitän Team Austria):  „Die Einladung von Nicolais Zeltinger sehe ich aus deutscher Sicht positiv, ich denke es ist wichtig für Deutschland auch solche Spieler besser zu kennen. Zudem ist Lucas, auch  aufgrund seiner Einschränkung der oberen Extremitäten, ein besonderer Einpunktespieler.  Selbstverständlich war er und ist auch nach wie vor bei der österreichischen Nationalmannschaft eingeladen. Da er nie ein offizielles Länderspiel für eine Nation bestritten hat, ist er derzeit auch noch bei beiden Nationen „eligible“.
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Interview & Text: Martin Schenk | Foto: Astrid Berger

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