Interview mit Pierre Fontaine: „David Amend ist in meinen Augen einer der besten Trainer, den es in unserer Sportart gibt.“

Im Rollt.-Interview spricht Pierre Fontaine über die Aufstiegsambitionen der Lahn-Dill Skywheelers in die 1. RRBL, die Früchte der Kooperation zwischen Frankfurt und Wetzlar sowie die Zukunftspläne in der Bankenmetropole.

Pierre, zunächst einmal Glückwunsch zur Meisterschaft in der 2. RBBL (Süd). Was waren deiner Meinung nach die ausschlaggebenden Faktoren für den sportlichen Erfolg?

Wir hatten in diesem Jahr kein Ziel definiert. Daher hatte die Mannschaft keinerlei Druck, so dass sie entsprechend entspannt aufspielen konnte. Außerdem muss man sagen, dass wir eine wirklich tolle Truppe zusammen haben. Und auch einen exzellenten Trainer, der einen sehr guten Zugang zur Mannschaft hat.

Du hast ihn eben bereits angesprochen. Mit David Amend hat das Team einen jungen und hungrigen Trainer an der Seitenlinie. Wie hast du seine Arbeit in den zurückliegenden Monaten wahrgenommen?

David Amend ist in meinen Augen einer der besten Trainer, den es in unserer Sportart gibt. Er ist sehr analytisch und bereitet die Mannschaft extrem gut vor. An der Linie ist er sehr präsent, aber in einer sehr zurückhaltenden Art. Das ist schwer zu begreifen, es gibt Trainer, die sind an der Linie auffälliger als die Mannschaft auf dem Platz. Und es gibt Trainer, die sind zu unauffällig an und auf der Bank. Er hat das gesunde Mittelmaß, und mit Michael Ortmann hat er in diesem Jahr  noch jemanden zur Unterstützung gehabt, der die Skywheelers sehr gut kennt und auch sehr erfahren in unserer Sportart ist.

Was sind eure Überlegung in puncto Aufstieg in die 1. Liga? Würdet ihr den Aufstieg wahrnehmen, wenn ihr es sportlich schafft oder gefragt werden würdet? Klär uns doch mal auf.

Hierzu kann ich, wie in der Vergangenheit, nur wenig sagen. Es kommt drauf an. Wir haben einige gute Gespräche mit potenziellen Partnern. Aber es muss erst einmal die Tinte unter dem Vertrag trocken sein. Außerdem muss geschaut werden, wie die Mannschaft diesen Schritt sieht. Ohne den Rückhalt des Teams ist das auch nicht möglich. Außerdem wachsen die Spieler, die wir dann noch brauchen, auch nicht auf den Bäumen. Und wir haben weder die Mittel, noch die Einstellung, uns mit Spielern aus dem Ausland zu beschäftigen. Außerdem muss der Bär erstmal erlegt sein, bevor man das Fell aufteilt. Jetzt konzentrieren wir uns erstmal auf die Spiele gegen den 2. der 2 Bundesliga Nord .

Wie hat sich generell die Kooperation zwischen dem RSV Lahn-Dill und den Mainhatten Skywheelers bzw. dem RSC Frankfurt entwickelt? Was hat sich strukturell getan?

Diese Zusammenarbeit war eine wirklich tolle Idee. Ohne die Kooperation gäbe es weder in Wetzlar eine zweite Mannschaft, noch bei uns eine erste Mannschaft. Man muss die Kräfte manchmal bündeln, damit man etwas erreichen kann. Mit Lahn-Dill läuft das sehr gut. Der Umgang zwischen den beiden Vereinen war immer sehr respektvoll, und Wetzlar ist das Aushängeschild in Deutschland und Europa. Diese Professionalität gibt es nur dort. Ich rede jetzt ausschließlich über Organisation und Struktur. 

Wie geht’s weiter?

Sollten wir in der zweiten Liga bleiben, werden wir die Kooperation sicherlich weiterführen. Wenn wir in die erste Liga aufsteigen sollten, dann gäbe es sicherlich den einen oder anderen, der diese Kooperation als Wettbewerbsverzerrung empfinden könnte. Auch wenn dem natürlich nicht so ist, wollen wir solchen Verschwörungstheorien keinen Ansatz bieten und würden wohl wieder als Mainhatten Skywheelers an den Start gehen. Grundsätzlich möchte ich mich aber mal ganz deutlich beim RSV Lahn-Dill für die tolle Zusammenarbeit bedanken. Die Idee hierfür kam auch nicht von mir oder vom RSV, sondern von Marina Mohnen. Auch in diese Richtung geht ein großer Dank.  

Wo siehst du die Zukunft des Rollstuhlbasketballs in Frankfurt? Was sind deine bzw. eure Pläne?

Wir werden voraussichtlich nie um die Meisterschaft in der ersten Liga spielen. Aber langfristig ist unser Ziel, wieder in der 1. RBBL zu spielen und sich dort  für die Play-offs zu qualifizieren. Das ist aber ein Haufen Arbeit. Wir müssen auf der einen Seite die Jugendarbeit wieder mehr in den Fokus rücken. Das läuft auch schon sehr gut. Hier haben wir  mit Sebastian Arnold, Sebastian Wolk und Nora Schratz eine tolle Unterstützung. Vorbilder, zu denen die Jugendspieler aufschauen können.

Und auf der anderen Seite?

Auf der finanziellen Seite müssen wir wieder etwas Speck auf die Rippen bekommen. Wir sind in guten Gesprächen und werden wahrscheinlich auch in der Halle bald mit einer LED-Wand für potenzielle Partner einen Mehrwert bieten. Aber das sind einzelne Schritte, die auf einem langen Weg gemacht werden müssen. Ich bin auch sehr froh, dass wir mit den Menschen im Hintergrund sehr gut aufgestellt sind. Dies sind am Ende die Stütze des Vereins. Und ohne deren Hilfe wäre das alles nicht möglich

Ein schöner Schlusssatz, Pierre. Vielen Dank für deine Zeit

Interview: Martin Schenk | Foto: Steffie Wunderl

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