DRS/Team Germany: Peter Richarz beendet Tätigkeit als U23-Cheftrainer

Mit »seinen Jungs« wurde er zwei Mal Weltmeister und gewann ebenso oft Gold bei Europameisterschaften. Jetzt hat Peter Richarz, Erfolgscoach der U23-Nationalmannschaft mit insgesamt sieben gewonnenen internationalen Medaillen, seinen Abschied bekanntgegeben.

Zeit, die Aufgabe an die nächste Trainer-Generation zu übergeben

»Die fast zwanzig Jahre mit dem deutschen Nachwuchs waren für mich eine unbeschreibliche Reise mit unendlich vielen positiven Eindrücken und Erlebnissen«, blickt der gebürtige Dortmunder dankbar auf seine Zeit als verantwortlicher Trainer zurück. Gerade der Gewinn des WM-Titels in São Paulo im letzten Jahr mit dem dramatischen Verlauf im Endspiel gegen die Türkei wird ihm und seinem Team noch lange im Gedächtnis bleiben.

Jetzt sei es aber an der Zeit, die Aufgabe an die nächste Trainer-Generation zu übergeben, lieferte Richarz gleich die Begründung für seine Entscheidung mit. Noch bis zum Ende des Jahres wird er die Juniorenauswahl betreuen – mit der Europameisterschaft als Highlight – zusammen mit den beiden neuen Co-Trainern Sebastian Wolk und Alireza Ahmadi, die die Nachfolge für den als Co-Trainer in die A-Nationalmannschaft aufgerückten Günter Mayer antreten.

Nachhaltige Arbeit für den deutschen Rollstuhlbasketball

»Was Peter Richarz als Cheftrainer der U23 für den deutschen Rollstuhlbasketball geleistet hat, kann man nicht hoch genug bewerten«, findet Herren-Bundestrainer Jan Haller lobende Worte für seinen Trainerkollegen. »Die Entwicklung junger Spieler stand für Peter immer im Mittelpunkt. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat er die U23 mit großer Kontinuität geführt und Athleten den Weg in den Leistungs- und Spitzensport eröffnet. Viele Spieler, die heute Verantwortung auf höchstem Niveau übernehmen, haben ihre sportlichen Wurzeln in seiner Arbeit.

Dabei reicht Peters Einfluss weit über sportliche Erfolge hinaus – er hat Menschen entwickelt und dem Nachwuchsbereich ein starkes Fundament gegeben. Persönlich möchte ich mich herzlich für die vertrauensvolle, konstruktive und verlässliche Zusammenarbeit bedanken. Seine Arbeit wirkt nachhaltig und wird den deutschen Rollstuhlbasketball noch lange prägen.«

Arbeit mit jungen Spielern ein besonderes Anliegen

Peter Richarz, der bereits als Cheftrainer der Damen von 1991 bis 1993 und dann erneut von 1998 bis 2008 als Assistent Coach internationale Erfolge feiern konnte, nahm 2007 mit einem ersten Trainingscamp in Herford seine Tätigkeit als Head Coach der U23 Junioren auf und wurde fünf Jahre später Europameister.

Ein Jahr darauf gelang der sensationelle Titelgewinn bei der WM im türkischen Adana mit einem 69:65-Finalerfolg über Schweden. Bei dem ersten Erfolg für eine deutsche Juniorenauswahl waren unter anderem aktuelle A-Nationalspieler wie Thomas Böhme, Nico Dreimüller, Jan Sadler oder Jens Albrecht im Kader, die bei den Paralympics in Paris 2024 die Bronzemedaille gewannen.

Mit dem Gewinn des zweiten WM-Titels schließt sich quasi der Kreis – auch in diesem Team waren mit Julian und Maximilian Lammering sowie Alexander Keiser wieder Nachwuchsspieler im Kader, die den Weg in den A-Kader geschafft haben.

Junge Spieler zu entwickeln und ihnen den Übergang in den Herrenbereich zu ermöglichen, war für Richarz stets ein besonderes Anliegen. Dabei war die immer wiederkehrende, altersbedingte Fluktuation innerhalb der verschiedenen Mannschaften für ihn und sein Trainerteam nicht nur eine besondere Herausforderung, sondern auch der besondere Reiz, im Nachwuchsbereich zu arbeiten. Mit großer basketballerischer Kompetenz, pädagogischem Fingerspitzengefühl und vor allem mit seiner ruhigen und professionellen Art der Kommunikation, schaffte es der begeisterte BVB-Fan zusammen mit seinen Mitstreitenden im Staff immer wieder, aus den unterschiedlichsten Spieler-Charakteren eine eingeschworene Gemeinschaft zu formen, die sich auch in schwierigen Situationen auf dem Spielfeld mental und physisch stark präsentierte. Dabei profitierte Richarz auch von den sich stetig verbesserten Strukturen in den Vereinen und im Nachwuchsbereich sowie von Förderprogrammen, die er selbst auch immer wieder angestoßen und mitentwickelt hat.

Auf vielen Ebenen und in unterschiedlichen Bereichen Denker und Motivator

Seit vielen Jahren ist Peter Richarz ein prägendes Gesicht des Rollstuhlsports in Deutschland. Als Jugendlicher arbeitete er bei der Lebenshilfe, während seines Studiums der Sonderpädagogik und Sport in Köln betreute er bereits Kinder- und Jugendgruppen im Rollstuhl. 1987 zog es ihn dann beruflich in den Norden, wo er in Geesthacht als Sporttherapeut in einer Neurologischen Rehabilitationsklinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene arbeitete.

Mit Beginn seiner Tätigkeit im BG Klinikum Hamburg Anfang der 2000er Jahre hat er Strukturen innerhalb der sportlichen Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung geschaffen und unter anderem Projekte wie beispielsweise ›richtig mobil‹ oder ›Rollstuhlsport macht Schule‹ initiiert, ein Programm zur Förderung inklusiver Sportangebote.

Zudem war er zwischenzeitlich als Leiter des DRS-Referates Klinik, Lehre und Breitensport tätig und engagierte sich bis 2019 als Mitglied im Vorstand und der Trainerkommission im Fachbereich Rollstuhlbasketball. Aus seiner kompetenten Ausbildungsschule gingen bis heute zahlreiche ambitionierte und erfolgreiche Trainer-Neulinge hervor. Viele davon sind mittlerweile angesehene Coaches auf nationaler wie internationaler Ebene.

»Zu großem Dank verpflichtet«

»Mit Peter Richarz gibt einer unserer erfolgreichsten Trainer den Staffelstab an die nächste Generation weiter«, kommentiert Christoph Küffner, Vorsitzender des Fachbereichsvorstandes Rollstuhlbasketball, die Ankündigung von Peter Richarz, zum Jahresende als Cheftrainer der U23 auszuscheiden.

»Neben seinen vielfältigen Tätigkeiten für unseren Fachbereich und in der Trainerausbildung, kann er vor allem als Trainer im Jugendbereich auf herausragende Erfolge mit seinen Teams zurückblicken.«

Die Arbeit mit dem Nachwuchs sei ihm in den ganzen Jahren immer eine Herzensangelegenheit gewesen und er habe dabei sowohl von der guten Ausbildung in den Vereinen als auch von den Förderprogrammen profitiert, die er selbst initiiert und angestoßen hat. »Peter hat seinen Schützlingen ein gutes Rüstzeug für ihre sportlichen Karrieren mitgegeben und einige von den jungen Talenten an die A-Nationalmannschaft herangeführt«, so Küffner weiter. »Für diese tollen Erfolge und sein langjähriges Engagement sind wir ihm zu großen Dank verpflichtet.«

PM: DRS | Foto: privat

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