DRS/Team Germany: Nach verpasstem Finaleinzug – DBS-Herren spielen um Bronzemedaille

Der Traum vom Finaleinzug bei der Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaft ist für die deutschen Herren geplatzt.

In der TD Place Arena in Ottawa konnte Gegner Australien am Donnerstag (17.09.) in der letzten Sekunde der Overtime den entscheidenen Treffer zum hauchdünnen 84:83-(18:21, 34:44, 51:61, 76:76)-Sieg im Korb unterbringen. Der Traum von einer WM-Medaille bleibt für das Team von Jan Haller aber bestehen. Am Finaltag (19.09.) spielt das DBS-Team um Bronze gegen Großbritannien.

»Es ist unfaßbar brutal, so ein Spiel in der letzten Sekunde zu verlieren – aber so ist der Basketball oder der Sport manchmal. Es war ein wildes Ende und es war so viel drin in diesem Spiel«, versucht Bundestrainer Jan Haller nach der knappen und auch etwas unglücklichen Niederlage die passenden Worte zu finden.

»Wir können trotzdem, auch wenn das von den Jungs jetzt keiner hören möchte, sehr sehr stolz darauf sein, was wir hier bislang bei der WM gespielt haben. Morgen früh geht wieder die Sonne auf und dann geht es darum, dass wir uns bereit machen für das Bronzemedaillen-Spiel. Das Gute daran ist, wir spielen um eine Medaille am Samstag, wir spielen für etwas. Und daher werden wir alles dafür tun, dass wir da wieder mit 100 Prozent reingehen können, dass die Jungs wieder soweit aufgebaut sind, dass sie sich ihren Medaillentraum erfüllen können.«

Fulminater Start vor Stimmungsvoller Kulisse

Im Grunde ist das Spiel schnell beschrieben. Die deutschen Herren haben in der gut besetzten und stimmungsvollen TD Place Arena das Spiel über weite Strecken kontrolliert, um am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Nach dem ersten Treffer durch Jaylen Brown, der 36 Punkte in dem Match erzielte, verschafften sich die Deutschen über 7:2 (3. Min.) durch den ersten Dreier von Aliaksandr Halouski und dem 15:7 (6.) durch zwei verhandelte Freiwürfe von Thomas Böhme erstmals einen kleinen Vorsprung, der bis zum Ende des ersten Viertels aber wieder auf drei Punkte zusammengeschrumpft ist (21:18).

Im zweiten Spielabschnitt hatten die deutschen Korbjäger eine ihrer stärksten Phasen. Mit einem 10:0-Lauf konnte sich das DBS-Team beim Stand von 33:19 (16.) erstmal mit 14 Punkten absetzen und ließ sich dabei auch von der aggressiven Pressverteidigung der Australier nicht aus dem Konzept bringen. Nur eineinhalb Minuten später erhöhte Nico Dreimüller mit einem Dreier auf 38:22, ehe die Australier ihrerseits mit Dreipunkte-Würfen antworteten und bis zum Halbzeitstand von 34:44 das Spiel weiter offen hielten.

Nach dem Seitenwechsel ginge es schlag auf Schlag weiter mit Treffen auf beiden Seiten des Spielfeldes. Bill Latham und Brown auf der einen, Halouski und Böhme auf der anderen Seite markierten jeweils 17 Punkte für ihr Team. So blieb es vor dem letzten Spielabschnitt beim dem Zehn-Punkte-Vorsprung aus deutscher Sicht (61:51).

›Drei-Punkte-Festival‹ führt mit zum Ausgleich

Gleich zu Beginn des Schlussviertels haute Tom O’Neil-Thorne einen ersten Dreier in die Reuse (54:63, 31.), ließ im Spielverlauf zwei weitere folgen, bis Luke Pople schließlich mit seinem Dreier zum 70:69 (36.) die Führung für Australier zurückholte und die irre Schlussphase begann. Dreimüller legte wieder vor mit seinem Punkten zum 72:76, O’Neil-Thorne und Brown stellten auf 76:76 und trotz eigenen Ballbesitzes konnte das deutsche Team den kleinen Vorteil nicht in gewinnbringenden Punkte ummünzen. Overtime.

Wieder hatten Böhme und Co das Momentum auf ihrer Seite, führten durch Treffer von Dreimüller, Böhme und Budde mit 81:76, doch Evans und O’Neil-Thorne hatten die passende Antwort. Böhme erhöhte nochmals an der Freiwurflinie, ehe Tristan Knowels seinen Drei-Punkte-Versuch zunächst verwarf, nach Ballgewinn aber zum 82:83 erfolgreich war.

Des Dramas letzter Akt: Die deutschen Herren verlieren dann bei eigenem Einwurf Sekunden vor der Schlusssirene durch einen Steel den Ball, den Jaylen Brown dann unbedrängt zum 84:83 im Korb unterbringen kann.

Starke Turnierleistung soll auch im Bronzefinale zum Erfolg führen

Damit war für das deutsche Team der Finaleinzug zwar geplatzt – dass sie aber überhaupt dazu die Chance hatten, war schon eine große Leistung. Weltmeisterschaften im Rollstuhlbasketball werden seit 1973 ausgetragen. Die deutschen Herren haben nach 53 Jahren wieder ein Halbfinale erreicht und haben jetzt – trotz aller Enttäuschung, die bei Spielern und Staff direkt nach dem Spiel geherrscht haben mögen, die Möglichkeit, erstmals überhaupt eine Medaille bei den Welttitelkämpfen zu erringen.

Gegner im Bronzefinale am Samstag (19.09., 10.00 Uhr EST) in der TD Place Arena wird Großbritannien sein, das sich im zweiten Halbfinale Italien mit 59:63 geschlagen geben musste.

Deutschland
Aliaksandr Halouski (26 Punkte/2 Dreier, RSB Thuringia Bulls), Nico Dreimüller (21/1, Asinara Waves Torres/ITA), Thomas Böhme (20, RSV Lahn-Dill), Alexander Budde (14, Thuringia Bulls), Matthias Güntner (2, RSV Lahn-Dill), Tobias Hell (CD Ilunion), Alexander Keiser (RBC Köln 99ers), Lukas Gloßner (RSB Thuringia Bulls), Julian Lammering (RSV Lahn-Dill), Thomas Reier (RBC Köln 99ers), Maximilian Lammering (n.e., RSV Lahn-Dill), Jakob Krömer (n.e.).

Australien
Jaylen Brown (37 Punkte/2 Dreier, Tom O’Neil-Thorne (19/3), Bill Latham (16), Luke Pople (6/2), Tristan Knowles (2), Either Leard (2), Philip Evans (2), Samuel White, Frank Ponder, Jeremy Tyndall, Steve John Elliott (n.e.), Jonte Brown (n.e.).

PM: DRS | Foto: Steffi Wunderl

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