Der Außenseiter aus Hannover holt zum zweiten Mal in Folge Silber. Coach Kluck will aus Niederlage für Playoffs und EuroCup lernen.
Frankfurt. Die Rollen vor diesem Rollstuhlbasketball-Pokalfinale waren ja klar verteilt. Die RSB Thuringia Bulls waren der Favorit auf den Titel. Herausforderer Hannover United war Außenseiter – vielleicht mit einer kleinen Chance auf die große Überraschung. “Die Thuringia Bulls sind eines der besten Teams der Welt. Sie sind so gut, weil sie jedes Team mit ihrer physischen Stärke überwältigen”, hatte United-Trainer Martin Kluck bei der ersten Besprechung am Spieltag im Hotel Lindner gesagt. “Unser Schlüssel zum Erfolg ist, wenn wir 40 Minuten hart dagegen halten. Wir dürfen nicht nachgeben.”
Im Spiel waren Anspannung, Selbstbewusstsein und die Physis schnell der Ernüchterung gewichen. Und der Erkenntnis, dass an diesem Tag gegen diese Thuringia Bulls nichts zu machen war. Bulls-Coach Andre Bienek hatte nach wenigen Spielminuten auf Presse gestellt und den United-Ambitionen auf eine Überraschung schnell eine Absage erteilt. Zur Halbzeit lag United mit 20:39 zurück – trotz Wutausbruch von Coach Kluck in einer Auszeit. Am Ende verlor Hannover dieses Pokalfinale mit 44:80. Dahin war der Traum vom ersten nationalen Titel der Vereinsgeschichte. Für die Bulls war es der vierte Pokalsieg ihrer Historie.
Die erneute Silbermedaille, im Vorjahre hatte United im Finale gegen den RSV Lahn-Dill verloren, war zunächst wenig Trost. Konsterniert verfolgten Spieler und Trainerteam von Hannover United die Siegerehrung, schauten zu, wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) dem verdienten Gewinner RSB Thuringia Bulls den Rollstuhlbasketball-Pokal überreichte. “Wir sind super enttäuscht, dass wir heute so eine hohe Niederlage einstecken mussten im Pokalfinale. Wir waren als so junges Team heute nicht bereit dafür, mit den Bulls besser mitzuhalten. Das tut weh”, sagte United-Coach Martin Kluck.
Dabei darf die Mannschaft sich auch freuen darüber, dass sie das Finale erreicht hat, sagte Teammanager Udo Schulz. “Wir haben ein großartiges Halbfinale gegen die Rhine River Rhinos gespielt. Das war in der Form nach der langen Saison und dem kleinen Kader mit nur acht Spielern so nicht zu erwarten”, so Schulz. “Wir sind nach wie vor froh darüber, dass wir das Finale erreicht haben – trotz des Ergebnisses.” Im Halbfinale gegen die favorisierten Rhine River Rhinos Wiesbaden am Samstag hatte United viel Engagement, viel Herz und Leidenschaft gezeigt. Hatte Schlüsselspieler aus der Partie genommen und selbstbewusst einen Start-Ziel-Sieg eingefahren.
Nach der Finalniederlage lenkte Coach Kluck den Blick auf die bevorstehenden Aufgabe. Am kommenden Samstag steht das Playoff-Halbfinalhinspiel gegen die Thuringia Bulls auf dem Plan. Nach der Serie spielt United in Murcia (Spanien) um den EuroCup-Sieg. “Es geht immer darum, wie man solche Niederlagen wegsteckt. Ich bin guter Dinge, dass wir den Bulls in der Halbfinalserie mehr Gegner sein werden, als wir es jetzt waren”, sagte Kluck. Das macht vor allem für den EuroCup Hoffnung. “In Murcia spielen wir gegen Teams, mit denen wir auf Augenhöhe stehen. Da sind diese Spiele gegen die Bulls die beste Vorbereitung.”
Endspiel
RSB Thuringia Bulls – Hannover United 80:44
RSB Thuringia Bulls: Vahid Gholamazad (18 Punkte), Joakim Linden (16), Aliaksandr Halouski (15), Jens Eike Albrecht (12), Jordi Ruiz Jordan (11/1 Dreier), Arie Twigt (4), Driss Saaid (2), Lukas Gloßner, Marie Kier.
Hannover United: Jan Haller (15 Punkte), Alexander Budde (11), Tom McHugh (8), Jakob Kramer (4), Sören Seebold, Oliver Jantz, Tobias Hell (je 2), Jan Sadler.
Halbfinals
RSV Lahn-Dill – RSB Thuringia Bulls 75:62
RSV Lahn-Dill: Rose Hollermann (25 Punkte/1 Dreier), Thomas Böhme (23/1), Matthias Güntner (8), Jannik Blair (4), Julian Lammering (2), Quinten Zantinge, Finlay Erskine, Maxcileide De Deus Ramos, Mark Beissert, Marek Wesolowski.
RSB Thuringia Bulls: Aliaksandr Halouski (23 Punkte), Vahid Gholamazad (16), Joakim Linden (14), Jordi Ruiz Jordan (10), Arie Twigt, Hubert Hager (je 4), Lukas Gloßner, Driss Saaid (je 2), Marie Kier, Jens Eike Albrecht.
Hannover United – Rhine River Rhinos Wiesbaden 70:55
Hannover United: Tom McHugh (24 Punkte), Jan Sadler (15/1 Dreier), Alexander Budde (15), Jan Haller (12), Oliver Jantz (4), Tobias Hell, Sören Seebold, Jakob Krömer.
Rhine River Rhinos: Mojtaba Kamali (18 Punkte), Michael Paye (15/1 Dreier), Tim Diedrich (12), Kei Akita, James Palmer (je 4), Nico Dreimüller (2), Steven Eliott, Hanah Dodd, Paul Nikolaus, Jonathan McNamara, Nico Damiano, Christopher Huber.
PM: Hannover United | Foto: Ana Sasse