Stimmen & Kommentare zur Wahl der Damen-Bundestrainer

Die Würfel fielen letzte Woche. Martin Otto heißt der neue Damen-Bundestrainer, der von der nun ehemaligen kanadischen Nationalspielerin Janet McLachlan assistiert wird. Um die Organisation und Planung kümmert sich Andreas Ebertz aus München. Ein Trio, auf das jede Menge Arbeit wartet. Die EM auf Teneriffa sowie die große WM in Hamburg stehen vor der Tür. Das Dreigestirn um Anführer Otto tritt in große Fußstapfen, die Holger Glinicki hinterlassen hat. Wir haben uns in der „Damenwelt“ umgehört, um erste Stimmen zu den Personalentscheidungen einzufangen.

Annabel Breuer (RSV Lahn-Dill): „Ich freue mich, dass der Verband einen neuen Bundestrainer gefunden hat, und ich bin auf die zukünftige Zusammenarbeit sehr gespannt. Martin Otto kenne ich bisher nur aus Nic Zeltingers und den Erzählungen meiner Teamkollegen. Janet hingegen kenne ich schon etwas länger und bin sehr froh, sie nun als Co-Trainerin zu haben. Das ist für uns alle eine sehr spannende Zeit, und ich denke ich spreche für die ganze Mannschaft, wenn ich sage, dass wir das erste Trainingslager kaum abwarten können.“

Anna-Maria Müller (Landestrainerin Hessen): „Mit Martin Otto und Janet McLachlan hat das Team Germany Damen ein sehr kompetentes und vielseitiges Duo bekommen. Beide bringen als ehemalige Nationalspieler und langjährige Bundesligaspieler eine beeindruckende Erfahrung mit und können, meiner Meinung nach, gerade in gemeinsamer Ergänzung ihres Basketballwissens und ihrer persönlichen Art, die Damen-Nationalmannschaft sehr gut neu formen und perspektivisch voranbringen.“

Anne Brießmann (Mainhatten Skywheelers): „Ich bin sehr positiv überrascht und finde es toll, dass sich Nic Zeltinger die Zeit genommen hat, eine wirklich gute Lösung für unser Damen-Team zu finden. Holger hinterlässt ein großes Erbe, aber ich finde, dass Martin Otto mit seiner jahrelangen Spiel- und Trainererfahrung eine sehr gute Wahl ist. Dazu kommt mit Janet eine Co-Trainerin, die wirklich alle Gegner genauestens kennt. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf das, was kommen wird.“

Marina Mohnen (Mainhatten Skywheelers): „Ich freue mich, dass nach einer längeren intensiven Auswahlphase das neue Trainerteam der Damen-Nationalmannschaft nun mit seiner Arbeit beginnen kann. Meiner Meinung nach ist mit Martin Otto eine sehr gute Wahl getroffen worden. Er hat selbst viele Jahre lang national und international auf hohem Niveau Rollstuhlbasketball gespielt und später dann auf nationaler Ebene als Trainer gearbeitet. Außerdem trainiert er seit Jahren Mädchen- und Damenmannschaften im Fußgängerbereich und weiß von daher auch, was mit einer Damenmannschaft generell auf ihn zukommt. Janet McLachlan halte ich für eine interessante Ergänzung. Auch sie hat jahrelange nationale und internationale Erfahrung als Führungsspielerin und kennt sich in der internationalen Damen-Rollstuhlbasketball-Szene bestens aus. Ich denke, dass die beiden sich auch vom Temperament her gut ergänzen. Ich bin gespannt, wie die beiden sich einarbeiten werden.“

Mareike Miller (RBC Köln 99ers): „Ich freue mich sehr, zum einen über das Interesse unserer neuen Trainer und zum anderen über die Entscheidung des Verbandes für Martin Otto. Martin hat die nötige Erfahrung und Persönlichkeit, um mit uns an die Erfolge anzuknüpfen, die wir unter Holger Glinicki erzielt haben. Dass er dabei auch noch mit Janet als erfahrene Spielerin, die im aktuellen internationalem Wettbewerb der Damen noch quasi mittendrin steckt, unterstützt werden wird, klingt nach der optimalen Konstellation. Das lässt mich sehr zuversichtlich auf eine spannende Zeit mit und in der Nationalmannschaft blicken.“

Johanna Welin (RBB München Iguanas): „Als ich vom neuen Bundestrainer erfahren habe, hatte ich ein sehr positives Gefühl. Martin Otto hat sehr viel Rollstuhlbasketballerfahrung, sowohl als Spieler als auch Trainer. Er hat beides über viele Jahre auf hohem internationalen Niveau erlebt. Mit Janet haben wir eine Co-Trainerin bekommen,  die viele Jahre in der Nationalmannschaft gespielt hat und dadurch unsere Konkurrenz sehr gut kennt,  und sie kann ihre eigenen Erfahrungen an uns weitergeben. Die Kombination von Martin und Janet ist eine Lösung, die alle mit einem sehr positiven Gefühl starten lässt und die mich sehr optimistisch stimmt.“

Kommentar zur Wahl der Bundestrainer & des Status-quo im deutschen Rollstuhlbasketball.

Gut Ding will Weile haben. Schenkt der Fan dem Hörensagen in den Sporthallen der Republik Glauben, gab es etliche Kandidaten und Kandidatinnen, die sich um das Amt des Damen-Bundestrainers beworben hatten. Ein gutes Zeichen für den Stellenwert des Sports und des Team Germany hierzulande. Auch alle befragten Athletinnen waren und sind mit der Personalauswahl zufrieden und freuen sich auf die kommenden Aufgaben. Das ist fantastisch. Dass sich der Auswahlprozess solange gezogen hat, ist verzeihbar, beweist aber wieder einmal, dass zu viel Know-how und Wissen auf zu wenigen Schultern lastet. Ein Pulverfass, das dem deutschen Rollstuhlbasketball um die Ohren zu fliegen droht, sollte nicht kurz- bis mittelfristig Abhilfe geschaffen werden. Was m. E. fehlt, sind mehrere Dinge:

Zukunftskonzept: Es gibt keine klare Vision resp. Strategie, wo der Rollstuhlbasketball im Jahr 2020 oder darüber hinaus stehen soll. Ein Ziel, das die Kräfte aller bündelt und sportliche Rückschläge oder auch Meinungsverschiedenheiten der Beteiligten ins zweite Glied rücken lässt. Stattdessen gibt es immer mehr Grabenkämpfe, Doppelfunktionen und kurzfristiges, aus der Not geborenes Handeln. Ein Ziel bzw. ein Zukunftsfahrplan muss her, der alle Kräfte bündelt.

Klare Zuständigkeiten & Strukturen: Für Insider mag das Konstrukt DRS, RBBL, DBS und wie sie alle heißen mögen, verständlich sein. Aber: Wer ist für was verantwortlich? Wer darf was eigenständig entwickeln? Was eint alle? Wie müsste eine Liga organisiert sein, um den Anspruch „Beste Liga der Welt“ gerecht zu werden? Ich muss gestehen, ich bin einfach zu faul, mich durch dieses Geflecht an Kommissionen und Ausschüssen zu arbeiten. Ein Produkt muss selbsterklärend sein, und dies ist die Organisationsstruktur des Sports hierzulande leider (noch) nicht.

Doppelfunktionen & Hauptamtlichkeit: Zwei Herren zu dienen, heißt auch, zwei Parteien gerecht zu werden. Ich sage nicht, dass dies nicht geht. Und ich spreche den „Doppelfunktionären“ auch nicht ab, dass sie sich morgens im Spiegel anschauen können. Was allen klar sein muss, ist, dass eine Doppelrolle Kraft und Energie kostet. Statt den Fokus auf ein Ziel zu richten, wird auf zwei Baustellen (gleichzeitig) gearbeitet. Ja, aber … wir haben zu wenige gute Trainer. Das mag sein. Aber wer ist dafür verantwortlich, dies zu ändern? Ich kann denn Baum nun mal nicht fällen, wenn die Axt stumpf ist. Ab und zu muss ich innehalten und die Axt schärfen, um dann mit weniger Kraft bessere Resultate zu erzielen. Ich sage auch nicht, dass alle Doppelfunktionen umgehend abzuschaffen sind. Aber wie wäre es zum Beispiel mit einer klaren Zielformulierung, mit der alle leben können?

„Wir werden bis 2020 einen hauptamtlichen Damen-Bundestrainer und Herren-Bundestrainer haben. Die dafür notwendigen Geldmittel werden wir durch weitere Partner und Sponsoren generieren. Diese „Geldgeber“ gewinnen wir durch eine sukzessive Attraktivitätssteigerung der Liga und des Team Germany. Folgende Maßnahmen ergreifen wir hierfür …“

Es bleibt spannend. Denn auch die WM in Hamburg steht vor der Tür. Die Heim-WM. Ein Event, dessen Planung, Umsetzung und Koordination jede Menge Kapazitäten und Kraft in Anspruch nimmt. Die Beteiligten sollten nicht den Fehler begehen, jetzt nur auf das Großereignis zu schauen. Das wäre fatal. Parallel müssen Strukturen geschaffen werden, die den Rollstuhlbasketball hierzulande stärken. Wichtig ist, dass alle Verantwortlichen ehrlich zu sich selbst sind. Und damit ehrlich dem Sport und allen Rolli-Basketballern gegenüber. Was nützt uns eine geile WM, ein einmaliges und mit Sicherheit auch fantastisches Ereignis, wenn sich der Stellenwert unseres Sports in Deutschland keinen Zentimeter nach vorne bewegt hat. Hamburg 2018 wäre ein potemkinsches Dorf. Mehr nicht.

Text & Kommentar: Martin Schenk

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