Mareikes Moments: „In den USA gibt es viele Jugend- und Uni-Ligen, die die Nachwuchsförderung positiv beeinflussen“

Die deutsche Nationalspielerin Mareike Miller (geb. Adermann) ist in ihrer Wahlheimat USA seit dem vergangenen Herbst als Basketball & Marketing Direktor für die Wisconsin Adaptive Sports Association (WASA) tätig. Künftig wird sie für das Rollt.-Magazin direkt aus Milwaukee über ihre Erlebnisse und den Rollstuhlbasketball in den USA berichten. Im Interview spricht sie über ihre neue Tätigkeit, die Unterschiede zum europäischen Sport und die Nationalmannschaft. Mehr gibt es auch auf ihrer Facebook-Seite

 

Mareike Miller bei ihrer Arbeit in Milwaukee
Mareike Miller bei ihrer Arbeit in Milwaukee

Mareike, liebe Grüße in die USA – seit einiger Zeit bist du zurück in deiner Wahlheimat. Wohin genau hat es dich verschlagen?

Danke! Ich lebe nun in Milwaukee, Wisconsin. Die Stadt ist nur eine Stunde von Whitewater, wo ich bis vor anderthalb Jahren studiert hatte, entfernt. Es ist also nichts ganz neues, aber kein Uni-Leben mehr.

 

Was ist dein Job in Milwaukee? Spielst du auch noch selbst?

Ich arbeite für WASA (Wisconsin Adaptive Sports Association), ein gemeinnütziger Verein, der dem Deutschen Behindertenstportverband ähnelt. In den USA ist der Behindertensport noch nicht so gut strukturiert wie in Deutschland und unsere Organisation ist der Beginn dies zu ändern. Alle Vereine im Großraum Milwaukee, die vorher Einzelkämpfer mit ihren einzelnen Mannschaften waren sind nun unter einem Hut. Als Basketball und Marketing Direktorin beschäftige ich mich jedoch insbesondere um unsere sechs Rollstuhlbasketballvereinsmannschaften. Seit kurzem können wir uns darüber freuen, dass wir eine sehr gute Partnerschaft zum NBA-Team der Milwaukee Bucks aufgebaut haben und nun alle Teams auch als Milwaukee Bucks Wheelchair Basketball Club auftreten können. Während ich mich also beruflich um das Management, Sponsoring und Marketing der Mannschaften und Vereine kümmere, spiele ich gleichzeitig auch für unser Damenteam, sowie unser Herrenteam in der ersten Liga bzw. Championship Division und bin Head Coach unserer Varsity Jugendmannschaft (14-18 Jahre alte Schüler).

 

Worin unterscheidet sich der US-Rollstuhlbasketball zum europäischen Rollstuhlbasketball?

Der US-Rollstuhlbasketball unterscheidet sich insbesondere sehr durch die Ligenstrukturen und demografischen Unterschieden. Genauer gesagt, es gibt in den USA Jugend- und Uni-Ligen, die insbesondere die Nachwuchsförderung besonders positiv beeinflussen. Andererseits, ist die Bevölkerungsdichte in den USA um einiges geringer, weshalb es auch um einiges schwieriger ist den Wettbewerb in einer Sportart wie Rollstuhlbasketball sicherzustellen. Die Regelungen des amerikanischen Verbandes sind dazu bis heute teils sehr undurchsichtig und unstrukturiert. Grundsätzlich ist die genaue Anzahl an Saisonspielen und Regelmäßigkeit der Spiele den Mannschaften selbst überlassen. Die einzigen Regeln dazu schreiben vor wie oft man innerhalb der eigenen Liga gespielt haben muss, um sich für die jeweilige nationale Meisterschaft qualifizieren zu können. Ob man sich dazu jedoch qualifiziert entscheiden dann die einzelnen Resultate der Spiele quasi wie gewohnt. Das erlaubt es jedoch z.B. Teams wie unserem Damenteam auch relativ einfach zusätzliche Spiele gegen Herrenteams zu bestreiten, um auch ohne viel Reiserei regelmäßig spielen zu können.

 

Miller beim Mitteldistanzwurf
Miller beim Mitteldistanzwurf

Wie kommen die Kinder in den USA zum Rollstuhlbasketball? Ist der Weg vergleichbar mit Deutschland?

Der Weg hier ist durchaus vergleichbar. In beiden Nationen ist es oft durch Schulprojekte, Rehabilitationseinrichtungen oder private Kontakte gelungen betreffende Sportler zu finden. In den USA hilft jedoch zusätzlich der vorhandene Jugendspielbetrieb, denn insbesondere die separate Liga für Spieler unter 14 Jahren erlaubt es auch ganz jungen Kindern, die in Deutschland meist nur in Jugendgruppen etwas trainieren sogar regelmäßig an Turnieren teilzunehmen. Gerade dieses Wochenende hat unser Nachwuchsteam in dieser Altersklasse mich nochmal richtig beeindruckt wie gut sie schon zusammenspielen und richtig Spaß an richtigen Wettkämpfen haben. Gerade in solch jungem Alter macht der Gewinn einer Medaille oder eines Pokals doch noch einmal richtig etwas aus.

 

Kürzlich warst du mit der Nationalmannschaft in Japan beim Osaka Cup. Wie war´s?

Es war echt richtig gut. Ich konnte ja leider im letzten Jahr nicht an der EM teilnehmen. Eine Entscheidung für meine Gesundheit, die mir absolut nicht leicht gefallen ist und weshalb ich nun umso glücklicher war endlich wieder auf dem Parkett zu sein. Das Turnier und alles Drumherum lief bestens. Die Stimmung im Team war super, die Spielerei war trotz lange nicht gesehen sehr harmonisch und lässt auf ein sehr gutes Jahr hoffen. Außerdem war es für mich persönlich die erste Reise nach Japan und insofern auch nochmal ein Highlight ein neues Land und neue Kulturen kennenzulernen.

 

Sehen wir dich in Rio bei den Paralympics auf dem Parkett?

Wenn es nach mir geht auf jeden Fall, aber das ist ja nicht allein meine Entscheidung. Ich bin fest im Gespräch mit Holger und habe dafür gesorgt, dass ich mir die viele Reiserei den Sommer über beruflich erlauben kann. Außerdem bin ich täglich im Training, um auch sportlich topfit zu sein. Aufgrund meiner Leistungen in Japan bin ich erstmal auf jeden Fall weiterhin dabei, die endgültige Entscheidung für Rio fällt jedoch erst im Juni oder Juli.

 

Was sind denn die Ziele für das Team Germany in Rio und wer sind die größten Konkurrenten?

Die Konkurrenz wird wie in den vergangenen Jahren sehr groß sein. Als zuletzt Paralympicssieger wäre es natürlich das Beste die Goldmedaille zu verteidigen. Realistisch muss das Ziel jedoch erstmal überhaupt eine Medaille sein. Mit Holland, Kanda und Großbritannien, die bereits mehrere Jahre nun ganzjährig zusammen trainieren sowie USA und China, die jeweiligen Sieger ihrer Qualifikationsturniere, gibt es gleich fünf Teams, die sich zu recht außer uns eine Medaille erhoffen. Nur die Teams, die das gesamte Turnier über ihre Bestleistungen abrufen können werden es am Ende schaffen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir erneut mit einem sehr starken Kader mit vielen Wechselmöglichkeiten dazu gut aufgestellt sein werden, aber ob es uns nochmal gelingt wie in London jedes Spiel jemanden zu haben, der einen überragenden Tag hat und wir uns so das gesamte Turnier und die Goldmedaille gewinnen können werden wir wohl erst am 16. September wirklich wissen.

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