Interview mit Nicolas Hausammann: „Unser Ziel ist natürlich die Qualifikation für die Paralympics 2020.“

Der Schweizer Nationaltrainer und Ex-Lahn-Dill-Akteur Nicolas Hausammann hat sich Zeit für ein Gespräch genommen, in dem er auf die nicht ganz gelungenen Wachablösung in der Nationalmannschaft, die Ziele der Eidgenossen und den Trainingsstandort in Nottwil eingeht. Was der dreifache Familienvater zu berichten hat, lest ihr im „Was-macht-eigentlich-Interview“ von und mit Annika Aul.

 

Nicolas, vor einigen Jahren hast du den Platz als aktiver Nationalspieler gegen den des Coaches getauscht. Wie kam es zu der Entscheidung, die Fäden von der Seitenlinie zu ziehen?

Damals sah es so aus, als ob die die Wachablösung bevor steht. Wir hatten einige Nachwuchsspieler mit 2.0 Punkten in der Pipeline und ich wollte den Weg frei machen für den nächsten Schritt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit der Arbeit beim Verband und an der Seitenlinie mehr bewirken kann. Die Strukturen haben wir seit 2014 stark verbessert, leider haben uns aber einige gewichtige Dropouts beim Nachwuchs in Probleme gestürzt, so dass ich seit 2017 als Spielertrainer im Amt bin. Das macht zwar auf der einen Seite unglaublich Spaß, auf der anderen Seite ist es schade, dass der Umbruch nicht wie geplant geklappt hat.

 

Bist du auch noch in einer Vereinsmannschaft aktiv?

Wie erwähnt bin ich als Spielertrainer aktiv in der Nationalmannschaft und bei den Pilatus Dragons in der Schweizer Liga.

 

Gibt es neben Rollstuhlbasketball noch andere Sportarten, die du ausübst?

Ich bin viel mit dem Handbike unterwegs,  um meine Kondition zu verbessern. Oder ich bin bei meiner Familie, die mittlerweile 3 Kids und meine Frau Nicole umfasst.

 

Die Schweizer Nationalmannschaft hat 2017 auf Teneriffa den Liga Erhalt der A-EM geschafft. Was sind deine kurz- und langfristigen Ziele mit der Nationalmannschaft?

Unser Ziel ist natürlich die Qualifikation für die Paralympics 2020. Wir wissen allerdings, dass wir mit unseren Möglichkeiten immer als Minimalziel den Verbleib in der A-Klasse sichern wollen.

 

Mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil habt ihr einen guten Trainingsstandort. Wie oft trainiert die Nationalmannschaft zusammen? Wie oft führt ihr selbst dort Turniere durch?

Wir führen um die sechs Lehrgänge im SPZ durch – davon einen in Turnierform oder Testspielen. Mittlerweile wissen auch andere Teams, wie genial unser Standort mit der tollen Halle und dem Hotel gleich nebenan ist, was natürlich die Turnier- bzw. Testspielorganisation deutlich erleichtert hat. Die deutsche Nationalmannschaft mit meinem ehemaligen Trainer aus Lahn-Dill Zeiten (Anm. d. Red.: Nicolai Zeltinger), waren ja dieses Jahr zu Beginn der Vorbereitung auf die WM eine ganze Woche bei uns zu Gast.

 

Du hast selbst in der RBBL in Deutschland gespielt. Verfolgst du noch die Spiele? Was hältst du von der Entwicklung der Liga?

Ich verfolge natürlich vor allem die Spiele mit den Schweizer Exporten, sprich die Partien der Rhine River Rhinos mit Maurice Amacher und die des RSV Lahn-Dill mit Philipp Häfeli. Die Bundesliga hat sich schon gewaltig entwickelt in Richtung eines breiteren Mittelfeldes hinter Thüringen und Lahn-Dill. Allerdings sieht man auch, dass bei vielen Teams der Erfolg auf dünnem Eis gebaut ist und von einzelnen «Machern» oder Partnern abhängt. Hoffentlich entwickelt sich dies noch mehr in Richtung langfristiger Erfolgsstorys. Es ist natürlich toll, dass die Bundesliga in der Vermarktung auch einen Schritt nach vorne gemacht hat und so viele Streams zu sehen sind, dass macht das Verfolgen der Spiele gleich viel einfacher.

 

Wie sehen deine persönlichen Ziele in Bezug auf Rollstuhlbasketball aus? Wirst du der Nationalmannschaft als Coach auch in den kommenden Jahren erhalten bleiben?

Nun, ich liebe Basketball. Auch in der Halle zu stehen und gemeinsam etwas zu erarbeiten, ist für mich eine große Befriedigung. Daher werde ich den Job machen, solange der Verband und die Spieler mit meiner Leistung zufrieden sind und ich noch vom Basketballvirus befallen bin.

 

Vielen Dank für deine Zeit, Nicolas!

 

Interview: Annika Aul | Foto: Steffie Wunderl

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