Interview mit Jan Haller: „Ich möchte eine Führungsrolle einnehmen und dem Team helfen, Spiele zu gewinnen.“

Der Mann, der mit der Arm-Spannweite eines Albatrosses ausgestattet ist, spreizt die Flügel, um von Wetzlar gen Hannover abzuheben. Bevor sich der Kapitän des Team Germany jedoch in Richtung Norden auf den Weg macht, stehen noch wichtige Partien im Dress des RSV Lahn-Dill an. Was Jan Haller an Lahn und Leine (noch) reißen will, welche Rolle er bei den Füchsen übernehmen möchte und welche RSV-Erlebnisse er definitiv nicht vergessen wird, hat uns der 2,0-Punkte-Mann im Gespräch verraten.

Jan, nach sieben Jahren geht eine Ära beim RSV Lahn-Dill für dich zu Ende. Was waren die wesentlichen Beweggründe, dass du in deine Geburtsstadt zurückkehrst?

Der Wechsel kommt für mich jetzt zum richtigen Zeitpunkt. Es fällt mir alles andere als leicht den RSV hinter mir zu lassen, aber ich habe das Gefühl, dass dieser Schritt aus persönlicher Sicht jetzt absolut Sinn macht. Mit Manager Udo Schulz und Coach Martin Kluck habe ich viele gute Gespräche geführt und ich bin überzeugt davon, dass bei United in Zukunft vieles möglich sein wird.

Sei mal spontan: An welche drei Momente, Augenblicke und sportlichen Höhepunkte musst du sofort denken, wenn ich dir das Wort Wetzlar entgegenwerfe?

Da wäre zum einen meine erste Saison, als wir 2012 die Champions League in Istanbul gegen Galatasaray gewinnen konnten. Sehr präsent ist auch noch die letzte Saison, als wir Meisterschaft und Pokal jeweils in Elxleben gewinnen konnten, nachdem wir im Jahr zuvor beide Titel dort verloren hatten. Bei dem Wort Wetzlar muss ich aber auch an eine Stadt denken, die so verrückt nach unserer Sportart ist, wie vielleicht keine andere auf der Welt. Auch nach sieben Jahren ist jedes Heimspiel in dieser tollen Atmosphäre immer wieder etwas Besonderes.

In Hannover wartet eine junge hungrige Mannschaft, die von deinem alten Teamkollegen Joe Bestwick angeführt wird. Welche Rolle möchtest du einnehmen? An der Lahn kamst du fast immer von der Bank.

Ich möchte eine Führungsrolle einnehmen und dem Team helfen, Spiele zu gewinnen. Ich kenne neben Joe Bestwick auch Coach Martin Kluck, sowie Jan Sadler, Olli Jantz und Phillip Schorp von der Nationalmannschaft und weiß, dass sie es auch von mir erwarten, Verantwortung zu übernehmen. Darauf freue ich mich.

In einer ausgeglichenen Liga haben die Füchse die Klasse gehalten. Was denkst du, ist nächste Spielzeit machbar?

Dafür ist es aktuell noch sehr früh, man weiß ja nicht mal, wie die anderen Bundesligateams genau aufgestellt sein werden und wer in Hannover eventuell noch dazu kommt. Ich bin aber optimistisch, dass es eine sorgenfreie Saison werden kann.

Wir wollen aber nicht so weit in die „Vereinszukunft“ blicken, sondern uns auch mit dem Hier und Jetzt beschäftigen, denn noch trägst du das Jersey des RSV. Woran machst du es fest, dass es in dieser Saison, im Vergleich zur letzten Spielzeit, nicht ganz so rund läuft? Ich sage nur Trier, München, Zwickau …

Sicherlich lag der schwache Saisonstart auch daran, dass mit Hiro Kozai einer unserer Schlüsselspieler sechs Wochen gefehlt hat und wir unser System nach dem Trainerwechsel und dem Abgang Luszynskis umgestellt haben. Trier finde ich der Aufzählung allerdings etwas fehl am Platz, weil sie für mich in dieser Saison ein Topteam sind und wir große Mühe hatten, die Halbfinalserie gegen sie zu gewinnen. Dies lag aber nicht nur daran, dass wir vielleicht nicht unser bestes Wochenende hatten, sondern daran, dass die Dolphins sehr stark gespielt haben. Die Niederlage in München im Oktober war sicherlich der Tiefpunkt für uns, allerdings haben wir danach auch 13 Pflichtspiele in Folge gewonnen, am Ende Platz zwei in der Hauptrunde belegt und das Champions-League- und Pokal-Final-Four erreicht.

Da lieferst du das richtige Stichwort: Am kommenden Wochenende steht das DRS-Pokal Final Four in deinem bzw. eurem Wohnzimmer an. Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft sowie das Champions League Finale in Hamburg hast du auch noch vor der Brust. Was ist drin für euch?

Schwierig einzuschätzen. Die Thüringer machen bislang einen starken und vor allem gefestigten Eindruck, aber ich weiß auch, zu was wir und insbesondere unsere Defense in der Lage sein kann. Unser Fokus liegt aktuell komplett auf dem Pokal-Halbfinale, welches wir in eigener Halle unbedingt gewinnen wollen. Dann sehen wir weiter.

Zu guter Letzt musst du uns noch verraten, was ein Jan Haller in zehn Jahren machen wird. Wo siehst du dich privat, familiär und sportlich?

Mit einer paralympischen Medaille um den Hals, den dann gestandenen Spielern Dreimüller, Jantz, Huber, Sadler, Güntner & Co. bei martinschenk.tv beim Rollstuhlbasketball zuschauen (grinst und lacht). Spaß beiseite, soweit schaue ich nicht in die Ferne, aber ich werde dann wahrscheinlich irgendwo im Sport eingebunden sein.

Jan, vielen Dank für deine Zeit

Interview: Martin Schenk & Annika Aul | Foto: Steffie Wunderl

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