Interview mit Franziska Lang: „Wenn man den Basketball liebt, ist es egal, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht.“

Wir von der Rollt. beschäftigen uns bekanntlich viel mit den Damen und Herren auf dem Court. Ein wichtiger Faktor im Sportlerleben sind jedoch auch die Menschen, die den Athleten und Athletinnen Rückhalt, Kraft und Energie geben und auch in schwierigen Zeiten zu den rollenden Korbjägern stehen.  Wir haben dies zum Anlass genommen, um bei Franziska Lang, der Schwester von Nationalspielerin Katharina Lang, nachzufragen, wie sie die sportliche Entwicklung ihrer Schwester wahrgenommen hat und wahrnimmt. Herausgekommen sind ehrliche, frische aber durchaus auch kritische Antworten.

Franziska, wie würdest du deine Schwester in ein, zwei Sätzen beschreiben?

Puuh, das ist schwierig in ein, zwei Sätzen. Kate liebt Basketball. Sie ist ein absoluter Teamplayer, hat den Umstieg vom Fußgänger-Basketball zum Rollstuhlbasketball ganz gut gemeistert. Dies ist auch deshalb so gut gelungen, weil die RBB München Iguanas ihr sehr geholfen haben. Sie ist mein liebster Mensch auf der Welt und ich bewundere sie sehr dafür, dass sie den Schritt in die USA gewagt hat, auch wenn ich sie natürlich mega vermisse. Durch die Unterstützung von Babsi Groß und Selina Rausch fällt es ihr aber, so glaube ich, gar nicht so schwer. Zusätzlich hat sie viel in der Uni zu tun, was sie ablenkt.

Was hast du damals gedacht, als Kate mit dem Rollibasketball angefangen hat?

Zuerst habe ich mich informieren müssen, was genau der Unterschied zum Fußgänger-Basketball ist. Ich war ehrlich gesagt schon etwas skeptisch, dass sich meine Schwester von einem Tag auf den anderen „grundlos“ in einen Rollstuhl setzen will. Nachdem ich mal im Training zugeschaut habe, wurde mir dann bewusst, dass es kaum Unterschiede gibt: Basketball ist Basketball – ob im Rollstuhl oder in Nike-Sneaker.

Gab’s bei dir auch ein bisschen Wehmut?

Nun, schwierig war für mich natürlich auch, zu wissen, dass wir vermutlich nie wieder zusammen höherklassig spielen werden, wir verstanden uns blind auf dem Feld. Aber die Freude, mit der sie ins Training gegangen ist, hat im Endeffekt überwogen, auch weil der Erfolg so schnell kam, wodurch sie enorm ehrgeizig geworden war. Und es war schön, dass sich jede von uns in seine eigene Richtung entwickeln konnte. Kate im Rollstuhlbasketball und ich weiter im Fußgängerbasketball. Daran, dass mich viele vorsichtig fragen, warum und seit wann meine Schwester im Rollstuhl sitzt, habe ich mich mittlerweile gewöhnt

Wie siehst du ihre Entwicklung?

Ihre Entwicklung sehe ich auf der einen Seite positiv, da sie den Sport, den sie über alles liebt, so ausüben darf, wie kaum jemand sonst. Sie hat in Alabama an ihren Chair-Skills gearbeitet, ihre Defense ist sicherer geworden und ihr Wurf ist immer noch konstant gut.

Aber?

Auf der anderen Seite finde ich, dass der Hype um sie das letzte Jahr etwas zu schnell und zu geballt kam. Nach der aktuellen „Wartelisten-Nominierung“ für die WM kamen viele, die nicht verstehen konnten, wieso sie, als „Megatalent“ mit der Möglichkeit in den USA jeden Tag zu trainieren, nicht fest im Kader steht. Dass da aber auch noch ein Studium dranhängt und das den Hauptbestandteil darstellen sollte, bedenken viele nicht.

Wie steht’s eigentlich um deine eigene Karriere: Wo spielst du Fußgänger-Basketball? 

Ich spiele seit zwei Jahren in der Regionalliga bei München Basket, habe mir aber im Februar den Arm gebrochen, deshalb kann ich auch kein Rollstuhlbasketball spielen. Davor ging ich für OSB München in der 2. DBBL und in der Regionalliga in Bad Aibling und in Wasserburg auf Korbjagd.

Warum würdest du anderen Fußgänger-Basketballern, die dauerhaft verletzt bzw. nicht mehr spielen können, empfehlen, bei den Rollis einzusteigen?

Wer den Sport einmal gesehen hat, kann kaum mehr loslassen. Die Schnelligkeit, die Taktik und das Zusammenspiel von Behinderten und Nichtbehinderten ist einmalig in der Sportwelt. Einfach ein geiler Sport. Wenn man den Basketball liebt, ist es egal, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht. Es ist super schade, wenn man sieht, welche hochklassigen SpielerInnen aufgehört haben, aufgrund von Kniebeschwerden oder weil einfach der Rest des Körpers nicht mehr mitmacht.

Zum Abschluss unserer Unterhaltung musst du uns noch eine Anekdote verraten bzw. einen ganz besonderen Augenblick, den ihr beiden gemeinsam erleben durftet?

Das war der Moment, als wir gemeinsam die Deutsche Meisterschaft 2009 gefeiert haben, der schönste Augenblick in unserer gemeinsamen Zeit auf dem Feld.

Wieso?

Meine Schwester musste zu Beginn des zweiten Viertels raus mit einem Nasenbeinbruch und wurde von unserer Mama auf dem Weg ins Krankenhaus per Handy auf dem Laufenden gehalten. Als sie dann nach dem Spiel erst wieder aus dem Krankenhaus kam, sind wir uns erstmal vorsichtig in die Arme gesprungen. Und spätestens im Moment der Medaillenübergabe wussten wir, dass wir das Größte erreicht hatten, was wir uns in unserem Alter im Basketball vorstellen konnten. Und das Gefühl, so etwas mit dem wichtigsten Menschen der Welt teilen zu können, macht’s noch schöner.

Franziska, vielen Dank für deine Zeit.

 

Interview: Martin Schenk | Foto: privat

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