Interview mit Edina Müller: “Mich begeistert die Inklusivität und die Kameradschaft im Kanusport.”

Die ehemalige Rollstuhlbasketballerin Edina Müller bewegt sich sportlich immer noch in der Weltspitze – und zwar im Kanusport.Was sie wo so treibt und ob sie im Rollstuhlbasketball nochmal Vollgas geben will, hat uns die sympathische 34-jährige Powerfrau im Interview verraten.

Edina, du hast 2014 aufgehört, Rollstuhlbasketball zu spielen. Was machst du seitdem hauptsächlich?

So viel hat sich im Alltag nicht geändert, Kanu ist sehr trainingsintensiv. Ich bin viel im Kraftraum, auf dem Ergometer und auf dem Wasser, arbeite weiterhin als Sporttherapeutin im BG Klinikum Hamburg und habe das große Glück von meinem Arbeitgeber auf großartige Weise unterstützt zu werden. Nebenbei kümmere ich mich um mein Tauchprojekt und helfe dabei, den Parakanusport in Hamburg zu entwickeln.

Du hast dich dem Kanufahren verschrieben und bist dort sehr erfolgreich unterwegs. Was ist die bisher schönste Erfahrung mit dem Sport?

Mich begeistert die Inklusivität und die Kameradschaft im Kanusport. Kanuten und Parakanuten haben alle internationalen und nationalen Wettkämpfe gemeinsam, da haben wir als deutsches Team viele tolle Momente gehabt. Seit diesem Jahr gibt es auf nationalen Meisterschaften inklusive Mixed-Rennen mit einem Kanuten und Parakanuten im Boot. Mein absolutes Highlight bisher waren natürlich die Paralympics in Rio!

Wie war es, in Rio Silber zu gewinnen? Bzw. was war das schönere Erlebnis bei den Paralympics? Eine Gold-Medaille im Mannschaftssport mit den Rollstuhlbasketballerinnen oder eine Silbermedaille in der Einzelwertung beim Kanufahren?

Die Erlebnisse möchte ich gar nicht vergleichen. Paralympics an sich sind eine unglaubliche Erfahrung, im Mannschaftssport und im Einzelsport einfach ganz anders.

Verfolgst du noch die Spiele in der RBBL?

Ja auf jeden Fall, ich gehe auch live zum Spiel, wenn es zeitlich passt. Die BG Baskets werden von dem BG Klinikum Hamburg, meinem Arbeitgebe, unterstützt und trainieren bei mir auf der Arbeit in der Halle. Da bleibe ich immer auf dem Laufenden.

Ist für dich eine Rückkehr zum Rollstuhlbasketball als aktive Spielerin denkbar?

Ich kann mir vorstellen, noch zum Spaß mit dem Team zu trainieren, vielleicht auch um einen anderen Trainingsreiz zu setzen, aber nicht als aktive Spielerin im Ligabetrieb.

Du hast es schon angesprochen, seit neuestem versuchst du dich auch im Tauchsport. Wird das deine nächste große Karriere?

Neu ist das eigentlich nicht. Ich tauche schon einige Jahre und habe nun den nächstfolgenden Tauchschein, den Rescue Diver, gemacht. Tauchen ist für mich ein toller Ausgleich. Es ist eine sportliche Aktivität, aber völlig weg vom Höher-Schneller-und Weiter-Gedanken. Außerdem gehe ich mit meinen ehemaligen Patienten Schnuppertauchen, was immer wieder eine tolle Erfahrung ist. Also wer Lust hat es auszuprobieren, kann sich gerne bei mir melden.

Gibt es noch andere Sportarten, die du ausgetestet hast bzw. noch ausprobieren möchtest?

Ich habe noch ein Projekt namens „On a roll“. Ein kleiner Blog in den sozialen Medien, der sich um Reisen, Sport und Hilfsmitteltipps dreht. Im Moment komme ich nicht oft dazu, aber ich habe vor, noch einige Sportarten auszuprobieren und das online zu stellen, damit Interessierte sich ein besseres Bild machen können und schauen können, ob es etwas für sie ist. Als nächstes habe ich z. B. vor, Sledge Hockey mit Frank Rennhack auszuprobieren.

Zu guter Letzt noch eine Frage: Was sind deine Pläne für die nahe Zukunft?

Ich bin seit Mitte Oktober wieder im Grundlagentraining. Mein nächstes Ziel ist die Quali im April. Im nächsten Jahr stehen wieder ein Weltcup, EM und WM an sowie die Deutsche Meisterschaft bei uns in Hamburg.

Vielen Dank, Edina, für deine Zeit!

Interview: Annika Aul

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