„Habemus Headcoach“ | Das sagen die RSV-Fans

„Habemus Headcoach“ | Der Serienmeister von der Lahn hat einen neuen Headcoach: Janet McLachlan. Die kanadische Weltmeisterin und Ausnahmeathletin lenkt ab sofort die Geschicke in der August-Bebel-Halle. Unterstützt wird die 40-Jährige dabei von Björn Lohmann & Günther „Gü“ Mayer. Was die Anhänger in Mittelhessen zum neuen Übungsleiter-Trio sagen, haben wir für alle Interessierte bei  einer Handvoll RSV-Fans in Erfahrung gebracht. Und was wir denken, haben wir in einen kleinen Kommentar gepackt.

 

Annika Aul: „Als ich gelesen habe, wie das neue Coach-Team beim RSV aussieht, war ich gleich hellauf begeistert. Das ist definitiv eine Kombi, mit der ich nicht gerechnet hätte. Eigentlich muss ich gestehen, dass ich keinerlei Vorstellung hatte, was an Trainer-Stab so kommen mag. Das Trio finde ich super! Alle drei haben ihre langjährigen Erfahrungen als Rollstuhlbasketballer gesammelt. Sie kennen die Basketballszene unheimlich gut und wissen wahrscheinlich bestens Bescheid, wo welche Planungen anstehen und wie man entsprechend reagieren kann. Janet McLachlan hat sich ja schon letztes Jahr als Co-Trainerin unter Beweis gestellt und ich schätze, dass sie die Aufgabe als neuer Headcoach sicher sehr gut machen wird. Günther Mayer hat sehr viel Erfahrung und ich könnte mir vorstellen, dass er das Team gut motivieren und wenn es mal nicht so läuft, entsprechend vorantreiben kann. Dass Björn Lohmann wieder im Team einsteigt, freut mich besonders. Nach dem was ich vorher so mitbekommen habe, hat er schon in seiner aktiven Zeit sehr viel Videoanalyse gemacht. Ich glaube, dass er für den Job genau der Richtige ist.“

 

Claudi Riemenschneider: „Eine völlig überraschende Trainerkonstellation, man wird sehen was die neue Saison bringt. In der Mannschaft ist wohl die Kombination gut angekommen, wenn ich so die Likes der Spieler auf Facebook verfolge. Ich freue mich auf eine spannende neue Saison.“

 

Kevin Kleiber: „Ich bin geteilter Meinung. Also prinzipiell finde ich es gut, dass es ein Trainerteam gibt. Ich denke, damit setzen wir auch den Trend um, den es im Fußball schon gibt. Janet kennt den Verein. Das einzige was ich kritisch sehe, und deswegen bin ich geteilter Meinung, ist ihre relativ geringe Erfahrung auf der Trainerposition – im Gegensatz zu einem Ralf Neumann. Janet durfte den Klub ein Jahr kennen lernen. Was mich sehr, sehr freut, ist, dass Björn Lohmann zurückkommt. Ich bin gespannt, wie sich die Rollen definieren bzw. letztlich ausgefüllt werden. Björn, so scheint es, wird dabei vermehrt im Hintergrund arbeiten. Ich glaube, dass Janet ein hohes Maß an Basketballverständnis im Fußgänger- wie im Rollstuhlbasketball hat. Die fehlende Erfahrung als Headcoach muss sie jetzt sammeln. Ich persönlich drücke ihr ganz fest die Daumen. „Gü“ ist ein Original. Ich freue mich für ihn, schließlich kenne ich ihn noch aus Bayreuth. Er hat in vielen Ligen gespielt und das Training in Zwickau geleitet. Von der Basketballkompetenz her, ist es ein Schritt nach vorne. Allerdings muss sich alles erst einmal einspielen. Ich bin gespannt. Ferner denke ich, dass wir als Rekord-Champions-League-Sieger und Rekord-Meister den Anspruch haben sollten, beide Titel holen zu wollen und nicht, oben mitspielen zu wollen. Das Potenzial haben wir. Wir können das auch kommunizieren, allerdings weder arrogant noch abgehoben. Dieser Anspruch ergibt sich aus unserer Geschichte. Im Basketball gibt es keine Garantien. Unser Vorteil kann es sein, dass neue Ideen umgesetzt werden, was wiederum ein Prozess ist, der Zeit benötigt. Dieser Prozess wird auch Rückschläge mit sich bringen. Ich bin davon überzeugt, dass der RSV einige Niederlagen einstecken wird. Das gehört dazu. Ich denke jedoch, dass wir einiges erreichen können, wenn insbesondere das Umfeld mitzieht und nicht – wie in der letzten Spielzeit – oftmals Misstöne die Stimmung beeinflussen.“

 

Andreas Aul: „Die Auswahl war teilweise überraschend für mich, aber wie ich finde, sehr gut durchdacht. Geballte Rolli-Basketball Kompetenz, um den RSV wieder zur alten Stärke zurückzuführen. Das Dreigestirn aus „alten Hasen“ und jeder Menge Erfahrung wird den Weg ebnen für eine tolle und erfolgreiche RSV-Saison 2018/19.“

 



 

Kommentar „Habemus Headcoach“

Was lange währt, wird endlich gut. „Habemus Headcoach“ hieß es Anfang der Woche in Wiesbaden und Wetzlar. Während die nicht minder spannende Personalie in Wiesbaden von den Fans so nebenbei zur Kenntnis genommen wurde, blickten alle Anhänger der RBBL gespannt gen Lahnufer, um irgendwo – zwischen heißer Sommersonne und vereinzelten Wolken am mittelhessischen Himmel – weißen Rauch aufsteigen zu sehen. Am 7. August war es dann endlich soweit, als Andreas Joneck als Kardinalprotodiakon von Wetzlar vor die Geschäftsstellentür trat, um die wichtige RSV-Personalie, wie der sprichwörtliche Trompeter von Jericho, in die Rollstuhlbasketball-Welt zu posaunen. „Janet McLachlan“, so steht es auf der heiligen Pressemitteilung geschrieben, „ist die neue (alte) Heilsbringerin im Schatten des Wetzlarer Doms“. Assistiert wird die kanadische Weltmeisterin von zwei alten Messdienern bzw. Hasen im Business: RSV-Legende Björn Lohmann und „Gü“ Mayer. Zwei Sympathieträger und erfahrene Recken in der Branche. Ob das neue Dreigestirn, wie Kaspar, Melchior und Baltasar zu neuen und erfolgreichen Ufern aufbricht, wird die Saison weisen.

Die Fragen, die den einen oder anderen Bibelschüler bzw. Fan umtreiben, lauten dann auch:

  • Was wird Janet McLachlan anders machen, als letzte Spielzeit bzw. warum konnte sie sich nicht schon letzte Saison – partnerschaftlich – Gehör verschaffen?
  • War Ralf Neumann omnipräsent oder so dominant, dass die frischgebackene Mama ihre eigenen Ideen nicht umsetzen konnte?
  • Was wird jetzt anders laufen, als letzte Saison? Schließlich hat die 40-Jährige – bis auf Kai Möller und Lokalmatador Jan Gans – denselben Kader zur Verfügung, wie 2017/2018.

Konnte sich der RSV letzte Spielzeit immer ein bisschen hinter der neuen Rolle Ralf Neumanns sowie dem Fehlen Hiro Kozais zu Saisonbeginn verstecken, werden die Fans solche – durchaus plausiblen Gründe – nicht mehr ganz so ernst nehmen. Auch dass der Großteil der RSV-Spieler bei der WM weilt, darf keine Ausrede sein, schließlich sprechen wir von Profis. Dieses „Dauerbelastungs-Los“ teilen sich die Mittelhessen mit anderen Teams.

Dass mit Günter Mayer, seines Zeichens Teammanager der U22-Nationalmannschaft, und Björn Lohmann, „Laufbahnberater für Rollstuhlbasketball-Nachwuchstalente“ (so meine hemdsärmelige Beschreibung, man möge mir verzeihen), gleich zwei Coaches mit direktem Draht zum deutschen Nachwuchs verpflichtet wurden, mag Zufall oder Kalkül sein, dem RSV Lahn-Dill wird es, sollte jemals eine Deutschquote kommen, definitiv nicht schaden.

Ich kann mir vorstellen, dass das neue Trio gut funktioniert, wenn die Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereiche klar getrennt sind. Auch sportlich kann es laufen, wenn Böhme, Bell & Co. zu einem echten Team werden, das hungrig, gierig und eigenmotiviert ist. Hochinteressant ist die neue Trainersituation am Lahnufer allemal.

Text: Martin Schenk // Foto: Steffie Wunderl

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